Am Internationalen Tag der Pflegenden sagen wir als GAMAV.DH klar: Die warmen Worte der Politik ändern nichts daran, dass Pflege seit Jahrzehnten auf Verschleiß gefahren wird – mit zu wenig Personal, zu hoher Belastung und einem Arbeitsmarkt, der sich weiter dramatisch zuspitzt. Studien zur Personalbemessung belegen seit Jahren einen massiven Mehrbedarf an Pflegekräften, doch das neue Personalbemessungsverfahren wird ohne ausreichend Köpfe und ohne verlässliche Finanzierung in die Praxis geworfen. Nach wie vor wird Personal nach dem, was es kosten darf und nicht nach dem Bedarf der Pflegebedürftigen bemessen.
Die aktuellen Pflegereformen verschärfen diese Lage, anstatt sie zu entschärfen: Unter dem Etikett „Bürokratieabbau“ und „Vertrauenskultur“ werden Vorgaben aufgeweicht und Risiken zunehmend auf die Einzelnen verlagert, während gleichzeitig an zentralen Stellschrauben – verbindliche, bedarfsgerechte Personalvorgaben, nachhaltige Finanzierung und konsequente Tarifbindung – nicht mutig genug gedreht wird. Die Politik sagt „Bürokratieabbau“ und meint damit den massiven Abbau von hart erkämpften Arbeitsrechts-, Sozial-, und Umweltstandards auf Kosten von Pflegenden und Pflegebedürftigen.
Als Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretungen in der Diakonie Hessen sehen wir täglich, was das konkret heißt: Pflegekräfte, die zwischen Anspruch und Realität zerrieben werden, Leitungskräfte, die Personalbemessungsinstrumente ohne Personaluntergrenzen umsetzen sollen, und Einrichtungen, die um jede qualifizierte Fachkraft ringen. Gute Pflege braucht mehr als Dank – sie braucht verlässliche Refinanzierung, verbindliche Personalstandards und Arbeitsbedingungen, die es attraktiv machen, in der Pflege zu bleiben oder zurückzukehren.
Darum stehen wir Seite an Seite mit den Kolleginnen und Kollegen in den Einrichtungen und mit der Gewerkschaft Ver.Di, die für auskömmliche, solidarische Finanzierung, bedarfsgerechte und verbindliche Personalvorgaben, Tarifbindung und gute Arbeit in der Pflege kämpfen. Der 12. Mai ist für uns kein Feiertag, sondern ein Auftrag: Pflege darf nicht länger als Kostenfaktor behandelt werden – sie ist Daseinsvorsorge und verdient endlich die politischen Entscheidungen, die dieser Bedeutung gerecht werden.